
Installation, Performance
In einem Kleid aus blauen Glasaugen geht eine junge attraktive Frau, Nezaket
Ekici, die Haupteinkaufsstraße Taksim in Istanbul entlang. Die Glasaugen
gelten in der Türkei als Talismane, die vor dem bösen Blick schützen
sollen. Von der Künstlerin so getragen, ziehen sie alle Blicke auf
sich ("Nazar", 2005). Solche Verkehrungen, die auf kulturelle
Traditionen wie auf das, was sie an Körperlichkeit, Menschlichkeit
oder politischen und religiösen Kontext transportieren oder verbergen,
interessieren Ekici.
In ihren zahlreichen Performances setzt sie sich stellvertretend immer wieder
diesen schmerzlichen Schnittstellen aus. Sie thematisiert die Tabus ihres
eigenen Geschlechts und ihrer Kultur, wenn sie sich, bekleidet mit einem
islamischen Tschador über Stunden zu einem Schwein setzt ("No
Pork but Pig", 2004). Aber auch die interkulturellen Tabus hinterfragt
sie, wenn sie zu der Melodie der deutschen Nationalhymne den Text der türkischen
unterlegt und umgekehrt ("National Anthems", 2005). Weder Agitation
noch Sarkasmus liegt in ihren Performances, sondern eher eine einfache Ernsthaftigkeit
und Würde oder auch Humor, etwa, wenn sie in einem 2,5 Meter hohen
Heuhaufen versucht, eine Stecknadel zu finden ("Obstacle", 2005).
Nezaket Ekici wird das Kunstvereinsheim mit einer neuen Performance überraschen.
Nezaket Ekici, geboren 1970 in Kirsehir/Türkei, studierte Kunstpädagogik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Freie Kunst und Performance bei Prof. Marina Abramović an der Hochschule der Bildenden Künste Braunschweig. Nezaket Ekici lebt und arbeitet in Berlin und Stuttgart.