
Lichtbildperformance
"Halb spielt man es, halb sind wir selbst die Assis", kommentiert Else Gabriel ihre jüngste Arbeit "Prosoche" (2006). Mit ihrem Mann Ulf Wrede und ihren Kindern Linus und Grete haben sie für eine Fotoserie eine Familie im Flur des Arbeitsamtes Berlin-Neukölln nachgestellt, die stoisch hoffnungslos auf eine verschlossene Zukunft warten. (e.) Twin Gabriel greifen auf, was sie als widersprüchlich sich verselbständigende Verhältnisse erleben, z. B. die seltsame Mischung von streng muslimischer Kleiderordnung mit Nike-Turnschuhen von türkischen Joggerinnen in der Berliner Hasenheide. Das animierte sie, in einer Art "Flucht aus Ägypten" kunsthistorische bis journalistische Bilder der Heiligen Familie durchzuspielen ("Jogging Muslima", 2005). Bis heute unverbesserlich allergisch gegen ideologische Pädagogik und politische Festsetzungen zählen sie auf die Kraft der "Selbstlöcherung" gesellschaftlicher Zustände - Autoperforationsartisten war der Name ihrer Künstlergruppe zur DDR-Zeit. So entwickeln sie in ihren Simulationen für die (Video- oder Foto-) Kamera eine Art wörtlichen Realismus - seltsam parallel zu dessen oft pathetischer Tradition, der bissig und krass, aber oft auch humorig ist. Im Kunstvereinsheim sind sie selbst die "Assis" und schimpfen: "Turpido - Scheiß Künstlerin!"
(e.) Twin Gabriel ist ein Kürzel für Else Gabriel und Ulf Wrede, unter dem beide seit 1991 zusammenarbeiten.
Else Gabriel, 1962 in Halberstadt geboren, studierte an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Sie hatte zahlreiche Lehraufträge inne. Sie lehrt zur Zeit als Professorin an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel.
Ulf Wrede, 1968 in Potsdam geboren, studierte an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin. Er gründete die Firma für technische Betreuung von Videokunst „Crème double“.