
Aktion
In all ihren Arbeiten, seien es Fotografien, Videos oder Aktionen, hinterfragt Kissina das uns selbstverständlich gewordene Realitätsprinzip und dessen Maßstäbe. So konfrontiert sie das Publikum mit fiktiven Geschichten und unerhörten Darbietungen. Für die Aktion „Pedigree pur“ (2005) in einer Berliner Galerie kochte die Mutter der Künstlerin ein Abendessen nach einem besonders feinem Rezept, dessen wichtiger Bestandteil Hundefutter war. Unter dem Titel „Klub der toten Künstler“ führt Kissina seit 2006 Aktionen durch, mit denen sie der kunstwissenschaftlichen Werkanalyse einen ungewöhnlichen Kommunikationsweg entgegensetzt: in spiritistischen Sitzungen werden berühmte Künstler angerufen und zum Sinn des Lebens und der Kunst befragt. Für das Kunstvereinsheim entwickelt Kissina eine neue Aktion: der Ernste-Kunst-Workshop. Junge Künstler laden das Publikum zu einem Bastel-Workshop ein. Das Publikum ist aufgefordert, selbständig kreativ zu handeln. Die entstandenen Objekte aus Kastanien und Eicheln werden in einer anschließenden Ausstellung präsentiert. Künstler und Kunstwissenschaftler stellen sie in den Kontext zeitgenössischer Kunst mit dem Schwerpunkt auf ihrer sozialen und politischen Bedeutung. Einer idiotischen, unernsten Handlung wird so eine herausragende, wegweisende Rolle beigemessen mit einem hohen symbolischen Wert. In Korrespondenz zu Kassel werden die "Kunstwerke" mit Früchten der 1982 von Joseph Beuys gepflanzten Eichen gestaltet.
Julia Kissina, 1966 in Kiew/Ukraine geboren, studierte Freie Kunst an der Akademie der Bildenden Künste München und war Meisterschülerin bei Prof. Pia Stadtbäumer. Julia Kissina lebt und arbeitet in Berlin.