

Performance
Was geschieht, wenn eine Künstlerin sich nicht als Individuum begreifen
kann, sondern sich nur als singulär versteht, wenn sie sich auf andere
bezieht?
Bestenfalls nennt man sie bescheiden. Tinka Stock ist Kommunikation und
Zusammenarbeit wichtig, weil sie damit im wörtlichen Sinne Teil nehmen
kann.
So bat sie für das Projekt ihrer Debütanten-Ausstellung Künstlerkollegen,
ihr Tattoo-Entwürfe zu schicken, die sie dann an den von ihr aus Fimo
geformten Figuren umsetzte ("invited", 2005). Es sind teils skizzenhafte,
teils malerische oder auch plastisch angelegte Entwürfe der Tattoos,
die auf die Figuren übertragen wurden. Entstanden sind nicht nur eine
Reihe von "Typen", 35 cm groß, sondern liebevolle Porträts
von Freunden als eine doppelte Form von Selbsterzählung. Nicht nur
in den Motiven der Tattoos, sondern auch in den Haltungen der Figuren und
den Bühnenbildern, in die sie diese hineinsetzt, wird ein breites Spektrum
menschlicher Selbstverständnisse und möglicher Existenzen deutlich.
Auch für ihre Arbeit im Kunstvereinsheim wird Tinka Stock wieder Freunde einladen. In selbst hergestellten Kostümen werden sie comicartige, kurze Szenen stellen - "Typen", einsam und unangepasst.
Tinka Stock, geboren 1976 in Essen, studierte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Professor Stephan Balkenhol, dessen Meisterschülerin sie war. Tinka Stock lebt und arbeitet in Karlsruhe.